DIN EN 50436 – Europäische Normenreihe für Alkohol-Interlock-Systeme

DIN EN 50436 – Europäische Normenreihe für Alkohol-Interlock-Systeme

Einleitung – Was ist DIN EN 50436?

Die DIN EN 50436 ist die deutsche Fassung der europäischen Normenreihe EN 50436 „Alcohol interlocks – Test methods and performance requirements“. Sie definiert technische Anforderungen und Prüfverfahren für sogenannte Alkohol-Interlock-Systeme – also Systeme, die das Starten eines Fahrzeugs verhindern, wenn der Fahrer unter Alkoholeinfluss steht.

Die Normenreihe wird vom CENELEC (Comité Européen de Normalisation Electrotechnique) erarbeitet. In Deutschland erfolgt die Veröffentlichung als DIN-EN-Norm durch das DIN. Die DKE begleitet die Normung unter anderem fachlich.

Alkohol-Interlocks bestehen typischerweise aus:

  • einem Atemalkoholmessgerät mit Mundstück,
  • einer elektronischen Auswerteeinheit,
  • einer Schnittstelle zur Fahrzeugelektronik (Startfreigabe),
  • ggf. einem Datenspeicher.

Vor dem Start des Fahrzeugs muss eine Atemprobe abgegeben werden. Wird ein definierter Grenzwert der gemessenen Atemalkoholkonzentration überschritten, wird der Motorstart blockiert.

Quellen:

Hintergrund und Zweck der Normenreihe

Die seit 2003 im zuständigen CENELEC-Gremium (BTTF 116-2 „Alkohol-Interlocks“) entwickelte Normenreihe EN 50436 wird regelmäßig fortgeschrieben. Ziel ist es, einheitliche, technisch fundierte Mindestanforderungen an Interlock-Systeme festzulegen.

  • Programme mit alkoholauffälligen Fahrern (z. B. im Rahmen behördlicher Auflagen),
  • als auch für präventive Anwendungen in Unternehmen oder im öffentlichen Verkehr.

Die Norm verfolgt mehrere zentrale Ziele:

Technische Einheitlichkeit
Es gibt einheitliche Anforderungen für Hersteller, Prüflabore und Behörden im europäischen Binnenmarkt.

Sicherheit
Es wird eine Gewährleistung von Messgenauigkeit, Manipulationsschutz, Umweltbeständigkeit und elektromagnetischer Verträglichkeit gegeben.

Marktzugang
Durch harmonisierte Standards wird die gegenseitige Anerkennung von Produkten in Europa erleichtert.

Quelle:

Aktuelle Teile der DIN EN 50436-Normenreihe

DIN EN 50436-1:2024-03 – Atemalkoholmessgeräte mit Mundstück

Die derzeit maßgebliche Fassung ist DIN EN 50436-1:2024-03. Sie legt grundlegende Prüfverfahren und Anforderungen an das Betriebsverhalten fest, insbesondere:

  • Messgenauigkeit und Wiederholbarkeit,
  • Anforderungen an Hardware und Software,
  • Umweltprüfungen (Temperatur, Vibration, Feuchtigkeit),
  • elektromagnetische Verträglichkeit (EMV),
  • Kalibrierung und Kennzeichnung.

Gegenüber älteren Fassungen wurden Anforderungen an digitale Schnittstellen, Testbedingungen und Messunsicherheiten aktualisiert.

Quelle:

DIN EN 50436-4:2022-12 – Verbindung und digitale Schnittstelle

Dieser Teil beschreibt die technische Verbindung zwischen Interlock-Gerät und Fahrzeugelektronik. Geregelte Aspekte sind u. a.:

  • elektrische Anschlussbedingungen,
  • standardisierte Kommunikationsprotokolle,
  • digitale Schnittstellen (z. B. CAN-Bus-Anbindung),
  • Zustandsdefinitionen zwischen Interlock und Fahrzeug.

Dieser Normteil ist besonders relevant im Zusammenhang mit EU-Rechtsvorgaben zur Einbauvorbereitung.

Quelle:

DIN EN 50436-6:2015 – Datensicherheit

Teil 6 behandelt die Sicherheit gespeicherter und übertragener Daten. Geregelt werden:

  • Schutz vor unbefugtem Zugriff,
  • sichere Ausleseverfahren,
  • Anforderungen an autorisierte Auswertungen.

Quelle:

DIN EN 50436-7:2024/2025 – Einbaudokument

Der überarbeitete Teil 7 spezifiziert ein standardisiertes Einbaudokument für die Nachrüstung und Integration in Fahrzeuge. Enthalten sind u. a.:

  • Anschluss- und Verbindungspläne,
  • Hinweise zur Integration in Bordnetzarchitekturen,
  • sicherheitsrelevante Montagehinweise.

Quelle:

Anwendungsbereiche

Interlocks nach DIN EN 50436 werden eingesetzt in:

  • Gerichtlichen oder administrativen Programmen
    (z. B. Auflagen für alkoholauffällige Fahrer)
  • Firmenflotten
    (Transport, Logistik, Personenbeförderung)
  • ÖPNV und sicherheitskritischen Bereichen
    (z. B. Gefahrguttransport)

Sie dienen als technischer Referenzrahmen für Hersteller, Prüfstellen und Behörden.

DIN EN 50436 und ihre Beziehung zur EU-Verordnung (EU) 2019/2144

Rechtlicher Kontext in der EU

Normen wie die DIN EN 50436 sind grundsätzlich freiwillige technische Standards. Ihre praktische Relevanz ergibt sich jedoch aus gesetzlichen Bezügen – insbesondere zur Verordnung (EU) 2019/2144.

Diese sogenannte „General Safety Regulation II“ wurde am 27. November 2019 verabschiedet und ist im Amtsblatt der EU veröffentlicht (L 325 vom 16.12.2019). Sie gilt:

  • seit 6. Juli 2022 für neue Fahrzeugtypen,
  • seit 7. Juli 2024 für alle Neuzulassungen bestimmter Fahrzeugklassen.

Quelle:

Einbauvorbereitung für Alkohol-Interlocks

Die Verordnung verpflichtet Fahrzeughersteller nicht dazu, serienmäßig ein Interlock einzubauen. Sie verlangt jedoch eine „Facilitation of alcohol interlock installation“, also eine standardisierte technische Vorbereitung für die Installation.

Das bedeutet:

  • Fahrzeuge müssen eine geeignete Schnittstelle vorsehen.
  • Die Integration eines Interlocks gemäß EN 50436 muss technisch möglich sein.
  • Einbauinformationen müssen bereitgestellt werden.

Hier greifen insbesondere:

  • DIN EN 50436-4 (digitale Schnittstelle),
  • DIN EN 50436-7 (Einbaudokument).

Norm vs. Verordnung – rechtliche Einordnung

EU-Verordnung:

  • unmittelbar verbindlich,
  • definiert Mindestanforderungen an Fahrzeuge,
  • schafft europaweit einheitliche Rechtsgrundlagen.

DIN EN 50436:

  • technische Spezifikation,
  • beschreibt den Stand der Technik,
  • dient als Nachweisgrundlage für technische Konformität.

Wenn eine Norm als harmonisierte Norm im EU-Amtsblatt gelistet wird, entsteht eine „Vermutungswirkung der Konformität“.

Praktische Auswirkungen

Für Fahrzeughersteller:

  • Anpassung der Bordnetzarchitektur,
  • Integration standardisierter Schnittstellen,
  • Dokumentationspflichten.

Für Interlock-Hersteller:

  • Entwicklung normkonformer Geräte,
  • Sicherstellung digitaler Kompatibilität,
  • Prüf- und Leistungsnachweise.

Für Behörden:

  • klare Prüfkriterien,
  • bessere Marktüberwachung.

Fazit

Die DIN EN 50436 bildet den zentralen technischen Referenzrahmen für Alkohol-Interlock-Systeme in Europa. Sie definiert verbindliche Prüf- und Leistungsanforderungen und sorgt so für eine europaweite Harmonisierung.

In Kombination mit der Verordnung (EU) 2019/2144 ergibt sich ein integriertes System:

  • Die Verordnung schafft den rechtlichen Rahmen.
  • Die Norm liefert die technische Umsetzung.

Beide Instrumente tragen gemeinsam zur Verbesserung der Verkehrssicherheit im europäischen Binnenmarkt bei.

Quellen (Auswahl)

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